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Wenn das eigene Er-Leben aus den Fugen gerät …

Aktualisiert: 20. Sept. 2023

Ich will, aber es geht (noch) nicht! Manche Menschen sind „genesen“ und erleben nachhaltig vielfältige Symptome, körperlicher und/oder mentaler Art, die ihren Lebens- und Berufsalltag einschränken. Andere wiederum hatten wissentlich keine Infektion oder verspüren nach einer Impfung ein Post-Vaccine-Syndrom. Möglicherweise erleben sie manchmal oder auch regelmäßig einen „Crash“, der die Hoffnung auf ein baldiges Ende ins Wanken bringt. Diese Einschränkungen können zu sozialen und auch finanziellen Belastungen führen.



ME/CFS-Betroffene erzählen, dass jede Aktivität penibel geplant werden muss, da sich bereits am Morgen, nach der Aktivität des Frühstückens und der Morgenwäsche, das Energielevel im „roten Bereich“ befindet und der körperliche oder mentale Einbruch nur Sekunden entfernt zu liegen scheint. Die Tagesplanung wird auf „Notversorgung“ gestellt, soziale Kontakte werden bestmöglich eingeschränkt und sportliche Aktivitäten gestrichen. Die minimalste Überanstrengung, körperlicher oder geistiger Natur, kann umgehend zu einem Leistungsknick oder nach bis zu zwei Tagen zu einem "Crash" (siehe u. a. Link) führen und im schlimmsten Fall neuerliche Bettlägerigkeit fordern. Diese körperliche und kognitive Erschöpfung, oftmals von diversen anderen Symptomen wie Herzrasen, Konzentrationsstörungen à la "brain-fog", Muskel-/Gelenkschmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Kreislauf- oder Magen-Darm-Beschwerden begleitet, kann ein Ausmaß annehmen, das verständlicherweise vom Umfeld schwer nachempfunden werden kann.


Wenn sich über Wochen und Monate alles im Einbruch- und Schlummermodus befindet, die gewohnte Leistungsfähigkeit sowohl beruflich als auch privat kaum oder nur noch in minimierter Form vorhanden ist, nagt dies natürlich auch am Selbstwert- und Identitätsgefühl der jeweiligen Person. Denn trotz ausgeprägtem Antrieb und spürbarer Motivation, psychischer Stabilität, Geduld und Zuversicht immer wieder vom Körper ausgebremst zu werden, weil der stetige „Push von Innen“ fehlt, vom Umfeld missverstanden sowie auf politischer und gesellschaftlicher Ebene nicht ernst genommen zu werden, kann diese Lebensphase von starker Einsamkeit geprägt sein und ein inneres Gefühl von „sich am Rande der Gesellschaft befindend“ auslösen.


Oftmals stellen sich Betroffene die Frage, ob sie jemals wieder ihren Alltag - wie früher - bewältigen können? In unserem Lebenskontext wird der Leistungserbringung hohe Anerkennung beigemessen. Deshalb ist es verständlich, dass der anhaltende Zustand des „Nichtfunktionierens“ enormen inneren Druck auslösen kann. Mit der Zeit könnten dadurch auch Beziehungen des sozialen Umfeldes stark „gefordert“ sein. Seiten der Hilflosigkeit, Überforderung, Verzweiflung oder Einsamkeit könnten sich in den Betroffenen und deren Nahestehenden zeigen. Natürlich können auch Angst und/oder depressive Verstimmtheit, innere Unruhe, Trauer und Wut den Alltag mancher Betroffener säumen.


Vertraue auf die Weisheit des Körpers …


Es gibt nicht „die eine“ Therapie, sondern es gibt eine Vielfalt an Therapiemöglichkeiten, die unterstützend sein können, um die Selbstheilungskräfte in Schwung zu bringen. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit, auf die Weisheit des Körpers zu vertrauen und sich selbstwirksam zu erleben, in dem eine achtsame Kooperation mit dem eigenen Körper aufgebaut wird. Dies kann im Umgang mit Long-/Post-COVID oder anderen Erkrankungen, die einen längeren Heilungsverlauf mit offenem Ausgang mit sich bringen, zu einer ersten Erleichterung führen.


Es kann Sinn machen, sich selbst und den Körper einfach mal in Ruhe zu lassen und sich mit der Akzeptanz der eigenen Grenzen sowie Bedürfnisse auseinanderzusetzen:


1. Wahrnehmen, was ist …

2. Annehmen, was ist …

3. Loslassen, was im Moment nicht möglich erscheint …

4. Einlassen auf das, was JETZT (möglich) ist.


Es kann hilfreich sein, Pacing-Strategien zu kreieren, um den körperlichen und geistigen Energieverbrauch bestmöglich steuern zu lernen, damit Aktivitäten (weiterhin) angemessen ausgeübt und mögliche „Abstürze“ minimiert werden können. Hierbei dürfen die Körpersignale als wertvolle Rückmeldungen anerkannt werden, wodurch diese zukünftig zieldienlich genützt werden können.


Es kann der Versuch gestartet werden, die Phase der Regeneration als heilsame Chance des sich selbst näher Kommens zu nützen. Dabei können die Betroffenen veränderte Grenzen entdecken und sich erlauben, diese zuzulassen. Sie könnten neue Perspektiven auf die Möglichkeiten von Beziehungsgestaltung und auf ihr Verständnis von „Geduldig-sein“ sowie das „Gesundheits-Krankheits-Kontinuum“ gewinnen. Sie können vorangegangene Stressoren erkennen, um diese zukünftig zu reduzieren.


Es kann auch hilfreich sein, den (vorübergehenden) Verlust der Leistungsfähigkeit und/oder des sozialen Rückzuges aufrichtig zu betrauern. Manchmal können - aufgrund dieser Schlummerphase - wertvolle Ressourcen (wieder) entdeckt und diese bewusst in den neuen Lebensabschnitt integriert werden, wie etwa Yoga, Meditation oder Trancereisen. Ziele einer psychotherapeutischen Begleitung sollen die Stärkung der Selbstfürsoge, die Aktivierung vorhanden Ressourcen sowie die Gestaltung einer adäquaten Lebensweise sein, um liebevoll für sich zu sorgen – jetzt und in Zukunft, wie auch immer diese aussehen mag.



Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen und Urteile über die Dinge.




Weiterführende Infos - ME/CFS Deutsche Gesellschaft:



Anlaufstellen:

Deutsche Gesellschaft für ME/CFS: https://www.mecfs.de/

Fatigatio: https://www.fatigatio.de/

Lost Voices Stiftung: https://lost-voices-stiftung.org/

Millions Missing: www.millionsmissing.de

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