Hilfe annehmen!?
- Impuls-Geberin

- vor 1 Tag
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Aktualisiert: vor 19 Stunden
Manchmal fühlt sich das Leben schwerer an als gewöhnlich. Phasen, in denen Gedanken kreisen, Erschöpfung sich anstaut oder der Boden unter den Füßen weniger fest erscheint als sonst. In solchen Momenten taucht oft eine leise, aber hartnäckige Frage auf: Soll ich mir wirklich Hilfe suchen – oder sollte ich das alleine schaffen?“ Diese Frage kennen viele Menschen. Und sie ist alles andere als banal.

Aus hypnosystemischer Sicht ist unser inneres Erleben ein komplexes, lernfähiges System, das stets nach dem bestmöglichen Umgang mit einer Situation sucht. Dabei kommen gerne verschiedenste innere Anteile bzw. Seiten von uns zu Wort, die sich in ihrem Zugang zum jeweiligen Thema sehr ambivalent zeigen können. Wenn Gedanken wie diese auftauchen:
„Andere schaffen das doch auch alleine!“
„Niemand versteht wirklich, wie es mir geht.“
„Was werden andere denken, wenn ich mir Hilfe hole?"
... dann sind das Signale eines inneren Schutzsystems, einer Seite von uns, die natürlich gute Absichten verfolgt: Vielleicht möchte sie verhindern, dass wir uns (erneut) verletzlich fühlen, bewertet werden oder alte, schmerzhafte Erfahrungen wiederholen. Das innere System tut, was es immer tut – es versucht, uns zu schützen. Und das verdient zunächst Respekt und Anerkennung, ganz gleich, ob die Strategie im Moment noch hilfreich ist oder nicht.
Gleichzeitig lohnt es sich, einmal neugierig hinzuschauen, ob dieser Schutz womöglich zur Last wird, indem wir uns hinterfragen: „Wofür dient mir dieser Schutz (noch)? Oder hält er mich gerade länger in einer Belastung fest, als nötig wäre?“
Die hypnosystemische Perspektive lädt dazu ein, innere Zustände nicht zu bekämpfen, sondern mit ihnen in Dialog zu treten. Wenn eine Seite von uns wahrnimmt: „So wie es gerade ist, fühlt es sich nicht gut an." Und ein andere Seite von uns denkt: „Könnte es auch anders sein – vielleicht leichter, vielleicht freier“ – dann könnte das auch eine Einladung sein. Eine Einladung, neue Möglichkeitsräume zu erkunden und andere Seiten in uns zu stärken.
Ein Gespräch mit einer außenstehenden, professionell ausgebildeten Person kann etwas Wertvolles schaffen: es kann einen geschützten Raum eröffnet, in dem das innere System sich mit all seinen Seiten zeigen darf, ohne bewertet zu werden. In diesem Rahmen können Zusammenhänge sichtbar werden, die im Alltag verborgen bleiben. Ressourcen, die unter der Last des Erlebten kaum mehr spürbar waren, kommen wieder ins Bewusstsein. Neue Handlungsmöglichkeiten entstehen – nicht, weil jemand von außen sagt, was „richtig" ist, sondern weil das eigene System in Bewegung kommt und sich wieder daran erinnert, was sich passend anfühlen könnte. Oft entdecken Menschen dabei Fähigkeiten und Stärken, die sie sich selbst kaum noch zugetraut hätten.
Vielleicht gab es in der Vergangenheit eine Beratung oder Therapie, die sich nicht passend angefühlt hat. Vielleicht bestehen Zweifel, ob professionelle Unterstützung überhaupt etwas bewirken kann. Auch das hat Platz – und ist ein wichtiger Teil des inneren Dialogs. Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedliche Herangehensweisen. Was trägt, ist nicht eine bestimmte Methode, sondern die Passung: zwischen der Art, wie jemand denkt und fühlt, und der Art, wie gemeinsam gearbeitet wird. Das Suchen nach dieser Passung ist bereits ein mutiger Schritt.
Hilfe zu suchen und anzunehmen darf als wertvoller Teil der Selbstfürsorge gesehen werden und ist kein Eingeständnis des Scheiterns. Es ist eine Entscheidung respektive eine Haltung, die sagt: "Ich erachte mich und mein Leben als wertvoll genug, um mir Hilfe zu gönnen und neue oder veränderte Wege zu beschreiten."
Zu einem erfüllten Leben gehört nicht nur, Herausforderungen allein zu bewältigen – sondern auch, sich selbst gut genug zu kennen, um zu spüren, wann es heilsam ist, sie gemeinsam mit anderen zu tragen.
Du bist nicht alleine.
Psychosozialer Krisendienst Tirol - 0800 400 120
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