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Nach Slow-Food nun auch Slow-Sex!?

Schneller, höher, weiter sind die Ziele unserer Leistungsgesellschaft. Alles muss schnell gehen und sollte am besten schon gestern erledigt sein. Deshalb sind einige Trends zu beobachten, die einen klaren Gegenpunkt zur Schnelllebigkeit unserer Zeit setzen, wie etwa Minimalismus und Lebensvereinfachung. Das bedeutet, durch Entschleunigung und Achtsamkeit Raum für das Wesentliche im Leben zu schaffen.



Im Sinne der Entschleunigung haben wir alle schon von Slow-Food als Gegenpol zu Fast-Food gehört. Darunter verstehen wir u. a., dass Genuss im Mittelpunkt steht, Qualität seine Zeit braucht und sinnliche Qualität als Voraussetzung für Genuss zu verstehen ist. Revenstorf, Psychologe und Psychotherapeut, betont, dass es auch im sexuellen Bereich zu einer Entschleunigung kommen darf und zwar weg von der Sensation hin zu mehr Sensibilität. Die Idee ist, sich Zeit für die Liebe zu nehmen und sich in entspannter Atmosphäre auf achtsame und innige Art zu begegnen und zu verbinden, wodurch sich das gemeinsame Erleben von alleine intensiviert. Dadurch kann eine tiefe Verbindung zum Gegenüber spürbar werden, wodurch eine Rückverbindung mit dem Herzen entsteht und Sexualität wieder als Akt des „Liebemachens“ gesehen werden kann.


In Zeiten der ersten Verliebtheit fällt man gerne über einander her, der Lust und Leidenschaft scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Doch in lang andauernden Partnerschaften kann irgendwann das Gefühl von Unzufriedenheit aufkommen, weil Paare versuchen ein Schema einzuhalten. Dieses Schema versucht man mit Tricks, Regeln und Accessoires aufzupeppen, welche oftmals künstlich und mechanisch erscheinen. Revenstorf betont, dass es hilfreicher sei, seinen Fokus auf das JETZT zu legen und mehr Zeit und Achtsamkeit ins Spiel zu bringen.


Sich auf achtsame Art zu begegnen, bedeutet, mit allen Sinnen anwesend zu sein bei dem, was jetzt gerade geschieht. Oftmals sind wir mit unseren Gedanken jedoch wo anders, beispielsweise im „davor“ oder im „danach“. Wenn wir uns im „davor“ mit Sorgen beschäftigen und im „danach“ das Ziel haben, einen Orgasmus zu erleben, können wir meist nicht mehr bewusst wahrnehmen, was wir gerade jetzt im Körper erleben. Durch die Zielvorstellung des Orgasmus' kann enormer Druck entstehen. Bei Männern, weil sie die Erektion halten müssen und bei Frauen, weil es ihnen zu schnell geht. Am Ende sind beide frustriert. Befreiender ist es zu denken, dass es zum Orgasmus kommen kann, aber nicht muss.


Um eine authentische und intensive Begegnung erleben zu können ist es auch wichtig, dass wir mit unserem Körper in Verbindung sind, um zu spüren, was sich gut oder weniger gut anfühlt und dies auch zum Ausdruck bringen. Paare haben oftmals unterschiedliche Vorstellungen von Sexualität, und genau das kann zu sexuellen Spannungen - im positiven Sinne - in uns und in der Beziehung zum Gegenüber führen.


Sich (wieder) bewusst im Körper zu spüren beginnt bereits außerhalb der Sexualität. Dazu braucht es einen sogenannten Übungsraum. Jegliche Körperarbeit, die Freude bereitet ermöglicht es, sich wieder mehr im eigenen innen Raum zu spüren, wie etwa bei Tanz, Qi Gong und Yoga.


Vielleicht haben Sie Lust bekommen, Ihre Verbindung zu Ihrem Lieblingsmenschen wieder aufmerksamer zu erleben, ohne dabei zu denken, was „danach“ kommen kann. Genießen Sie den Moment, die Hingabe und die Berührung, um die feinen Nuancen von Sinnlichkeit und Erotik wieder zu entdecken.


Weitere Literaturhinweise:

Revenstorf, Dirk (2014): Slow Sex. SWR. Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=VdfWjCbXSUU (Stand 20.09.2019).


Richardson, Diana (2011): Slow Sex. Zeit finden für die Liebe. München: Integral Verlag.


FOCUS Online (2019): Alltag entschleunigen kann die Beziehung retten: Warum Sie Slow Sex ausprobieren müssen. Verfügbar unter: https://www.focus.de/familie/psychologie/einfach-besser-leben-grosse-sex-studie-zeigt-darauf-stehen-die-deutschen-wirklich-im-bett_id_8278164.html (Stand 22.09.2019).


Stern Medien (2018): Ist Slow Sex einfach nur langsamer Sex? Verfügbar unter: https://www.stern.de/neon/herz/liebe-sex/sexbewusst/ist-slow-sex-einfach-nur-langsamer-sex--nein--8143370.html (Stand 25.09.2019).

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© 2017 by Alexandra Fuchs, BA MA MSc | Psychotherapeutin | Proudly created with Wix.com